|
Gerade auch 'Heimwärts' bekräftigt die
Wichtigkeit eines Zuhauses und stellt das inbrünstige Verlangen eines
Menschen nach dem Heim dar. - Was braucht es, damit Du Dich heimisch und
geborgen fühlst? Hast Du in Zeltingen inzwischen ein wirkliche Heimat
gefunden oder steht ein Fuß auch noch immer in der Tür Deines
alten Zuhauses?
- Zeltingen ist definitv ein schöner Ort zum Leben, doch sterben
möchte ich Zuhause....
Fühlst Du Dich im Ausdruck durch Deine Kunst immer verstanden?
- Nicht immer, muss ich sagen. Es gibt viele die Musik überinterpretieren,
anstatt sie einfach nur auf sich wirken zu lassen. Schlimm wird es allerdings
nur, wenn solche Menschen glauben ihre Interpretation wäre die Einzige
und Echte.
Mit Interesse habe ich kürzlich eine Diskussion im Prophecy-Forum
verfolgt: Viele Menschen verstehen nicht uneingeschränkt, weshalb
künstlerisches Ich und der Mensch hinter dem Kunstwerk mit all seinen
persönlichen Gefühlen und Ansichten nicht vollends übereinstimmen
können. Denkst Du eine solche Trennung sollte generell vorgenommen
werden? Und wie hältst Du es persönlich bei Empyrium und Deinen
anderen Projekten? - Wieviel vom Menschen Markus Stock steckt in Empyrium?
- Für mich ist es sehr wohl wichtig Künstler und Privatperson
voneinander zu trennen. Wen interessiert es auch was ich außerhalb
von Empyrium für ein Mensch bin? Das tut meiner Meinung nach nichts
zur Sache, denn es hat nichts mit meinem künstlerischen Ausdruck
zu tun. Empyrium stellt lediglich meine Faszination für die Stimmungen
der Natur und der Märchen- und Sagenwelt dar - also eine Seite meiner
Persönlichkeit. Außerhalb davon bin ich nicht der romantische,
melancholische Chorknabe für den mich viele halten, sondern ein,
manchmal nachdenklicher doch öfter noch humorvoller und exzessiv
(in allen Belangen) lebender Mensch.
An der Ausdruck der Naturmystik durch Musik für Dich an Reiz
verloren - vielleicht auch in Hinblick auf die zahllosen Nachahmer, die
weder Aufrichtigkeit noch Intensität im Erschaffenen erkennen lassen?
Wurde es mit der Zeit vielleicht auch schwieriger neue Inspirationen für
neue Schritte zu sammeln? Immerhin bist Du ja auch schon eine ganze Weile
aktiv...
- Ich denke nach 8 Jahren Empyrium und der künstlerischen Aufarbeitung
einer Thematik, ist es an der Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen - schlicht
und ergreifend fühle ich keine künstlerische Herausforderung
mehr darin, im Moment ein weiters Album, daß sich der Naturmystik
widmet zu komponieren.
Erfüllt es Dich nicht auch mit Wehmut, nach "Weiland"
ein wichtiges (unterstelle ich jetzt einfach mal...) und zeitlich durchaus
langes Kapitel Deines Lebens abzuschließen?
- Ich denke es ist wichitg Altes zu zerstören um Neues zu erschaffen;
von daher keine Wehmut meinerseits - eher Vorfreude auf das was in Zukunft
kommen mag.
Inwieweit kümmern die Reaktionen seitens Deiner Zuhörer?
- Zwar hast Du ja alle Fragen auf Deiner Homepage immer sehr wohlwollend
und oft auch mit einer gehörigen Portion Ironie beantwortet, aber
das lang erhoffe Empyrium-Konzert ist noch immer ausgeblieben. Könntest
Du Dir nun vielleicht vorstellen einige wenige, besondere Konzert zu geben?
Oder denkst Du die Intensität und Intimität von Empyrium ist
auf der Bühne nur schwer reproduzierbar? - Da ein Auftritt immer
auch außerordentliches, unmittelbares Öffnen vor Publikum impliziert,
liegt vielleicht auch der Gedanke nahe, dass Du dieses Öffnen
scheust...
- Ein Album wie "Weiland" wahrhaftig auf einer Bühne
zu reprodzieren wäre ein logistisch unüberschaubarer Aufwand,
der mir die Freude am eigentlichen Konzert wohl im vorneherein schon verderben
würde. Zudem denke ich, daß sich Musik wie "Weiland"
in einem stillen Kämmerlein zu Hause besser entfaltet, als zwischen
Horden von schweißgebadeten, teils desinteressierten Konzertbesuchern.
Musiker die sich selbst nicht zu wichtig nehmen und ein wie auch
immer geartetes Image nicht über alles erheben, sucht man heutzutage
leider häufig vergebens. Denkst Du, dass ein gesundes Selbstverständnis
und Selbstironie wichtig sind, um den Blich für das wesentliche zu
bewahren, nicht in den Sumpf aus wichtigtuerischer Imagegeilheit und Selbstbezogenheit
zu geraten?
- Ich habe über die Jahre gelernt, daß Selbstironie und
eine gesunde Distanz zu sich selbst, ein Merkmal ist, daß ich an
Menschen beinahe über alles schätze. Es ist trotz aller Schwelgerei
wichtig mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben und sich auch an den
"profanen" Dingen des Lebens zu erfreuen. Es schafft einfach
ein Gleichgewicht zu der künstlerischen Arbeit.
Zweifellos haben Empyrium ein gewisses Image, allerdings schien dieses
nie überzeichnet, übgerzogen. Wie wichtig sind Dir derlei Imagefragen?
- Ich habe nie bewußt ein "Image" für Empyrium
aufgebaut, sondern nur das gesagt und vertont was mir am Herzen liegt.
Um ehrlich zu sein: AufgesetztesImage interessiert mich einen Dreck.
Wie geht man ein sowohl zeitlich wie sicherlich auch emotional sehr
forderndes Werk wie "Weiland" an? Was waren die ersten Schritte,
was die erste Vision?
- "Weiland" ist in einem Zeitraum von drei Jahren, zuerst
in meinem, dann auch in Thomas' Kopf gereift. Es ging mir stets darum
die Stimmungen die ich ausdrücken möchte zu konkretisieren -
greifbarer und lebendiger herauf zu beschwören. So stand ich eines
Abends mit dem grundlegenden Konzept von "Weiland" im Kopf da.
Wie gestaltete sich dann der weitere Schaffungsprozess? - Immerhin
lagen zwischen dem Einspielen und Veröffentlichen mehrere Monate.
Musste das Material reifen oder brauchtet ihr nach intensiver Arbeit Abstand
um euch dem Album wieder mit neuem Elan widmen zu können?
- Definitiv letzteres. Nachdem "Weiland" im Studio fertig
produziert war musste ich ersteinmal wieder Abstand zu Allem gewinnen
um mir Gedanken über Layout etc. machen zu können.
Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den anderen Musikern?
- Die Arbeit verlief wirklich sehr gut. Die Streicher beispielsweise
wurden komplett an einem Wochenende eingespielt und glaube mir, das ist
eine beachtliche Leistung. Auch der Fagottist Horst Faust ( ein über
70jähriger pensionierter Musiklehrer) spielte seinen Part sehr zu
unserer Zufriedenheit, und mit einigem Elan, ein. Eine sehr schöne
Erfahrung insgesamt.
Während "Where At..." ein vergleichsweise simples
und schlichtes Album war, greift "Weiland" auf vielfältigere
Instrumentierung zurück, hält nichtsdestotrotz die Erdigkeit,
den Anmut und die Intimität des unmittelbaren Vorgängers. -
Gaben die Stimmungen die Instrumentenfülle quasi vor?
- Genau das ist ein Teil des Konzeptes von "Weiland". Stimmungen
nicht nur aufgrund von Melodiebögen zu erzeugen, sondern das Arrangment
der Stücke, also die Instrumentierung, an die Stimmungen anzupassen.
Wie würdest Du Thomas Helms Einfluss auf die Musik Empyriums
beschreiben? Immerhin stiess er ja recht spät zur Band. War es Dir
ohne weiteres möglich, Deine Visionen mit ihm zu teilen und sogar
einen grossen Teil des vokalen Ausdrucks an ihn abzutreten? - Gibt es
etwas wie eine klassische Rollenverteilung in Empyrium?
- Thomas verfügt über ein großes musikalisches Verständnis.
Er konnte die Vision von Empyrium sehr schnell teilen und hat sich auf
"Weiland" auch wunderbar eingebracht. Nicht nur durch seinen
wunderbaren Gesang und sein Klavierspiel sondern auch in der Komposition
und Ausarbeitung der Stücke.
Werden sich eure Wege wohl auch nach dem Ende des Kapitels Empyrium
kreuzen?
- Definitiv. Wir wollen Ende des Jahres an einem neuen Projekt arbeiten
mit dem wir dem großen und stimmungsvollen Prog Rock der 70iger
neues Leben einhauchen werden.
"Waldpoesie" stellt die ambivalenten Stimmungen im Wald
nur zu gut dar: die Geborgenheit, die Schönheit einerseits und die
Panik vor dem Dunklen, Unergründlichen andererseits. Alles Erlebnisse,
die Dein Naturempfinden nachhaltig prägten? Welchen Wald schätzt
Du mehr? Den unergründlichen finsteren Wald voller Mysterien oder
den sonnendurchfluteten, warmen, wohligen?
- Ich liebe beide Seiten natürlich, sonst wären sie auf
"Weiland" nicht vertont....
War 'Die Schwäne im Schilf' von vornherein für "Weiland"
konzipiert? - Zumindest fügt es sich - gerade auch in der neuen,
unsagbar intensiven Version - Herrlich in den Gesamtkontext ein.
- "Die Schwäne im Schilf" war ursprüngllich für
den amerikanischen Sampler "On the Brink of Infinity" komponiert
und in einer ersten Version darauf auch veröffentlicht. Es passte
aber nur zu perfekt zu dem Weiland-Kapitel "Wassergeister",
worauf wir uns entschlossen es nochmal neu anzupacken und noch intensiver
zu gestalten.
'Kein Hirtenfeuer...' scheint mit seinem schlichten, anmutigen Stolz
Tribut oder Ode an das karge, aber naturnahe und mitunter glückliche
Leben der Hirten zu sein. Zumindest weisen Schönheit und romantische
Ader des Stückes darauf hin. Gleichermaßen könnte es fast
ein Madrigal sein...
- Wenn Du schoneinmal Abends oder Nachts im Sommer in der Heide warst,
wirst Du hier und da die kleinen Lagefeuer der Hirten gesehen haben. "Kein
Hirtenfeuer glimmt mehr" drückt mehr die melancholische, geisterhafte
Stimmung aus, die der Winter in die Heide bringt, wenn alles verlassen
und menschenleer ist.
Gerade "Wassergeister" ist näher an dem, was gemeinhin
als Klassik bezeichnet wird als alles, was Du zuvor gemacht hast. Stand
der Rahmen des Kapitels und die gewählte Instrumentierung von vornherein
fest? Wie geplant ist "Weiland" - eher ein wohl strukturiertes
oder ein Album, das passiert ist zu leben begann?
- Wie schon voher erwähnt - die Instrumentierung der einzelnen
Kapitel stand schon fest bevor das Album komponiert wurde, von daher war
"Weiland" sehr geplant - bekam auch genug Zeit zum Reifen. Speziell
für das Kapitel "Wassergeister" gab es keine bessere Klangfarbe,
als die von geschlagenen Saiten, die ich sofort mit dem Plätschern
und der Bewegung von Wasser in Verbindung bringe.
Weshalb hast Du Dich ausgerechnet für diese drei speziellen
Facetten der Natur entschieden? Was macht gerade Heide, Wald und Wasser
so wichtig und reizvoll für Dich? Was verbindest Du mit den jeweiligen
,Arten', hängen persönliche Erinnerungen daran?
- Heide, Wald und Wasser stehen mir am nächsten, da ich in einer
Gegend aufgewachsen bin in der diese drei Facetten die Natur dominieren.
Demnach bringe ich natürlich auch viele persönliche, magische
Momente mit ihnen in Verbindung.
Wie verhält es sich diesbezüglich mit den ,Zusätzen'
(Stimmung, Poesie und Geister), welche die Stimmung der jeweiligen Kapitel
ja schon sehr prägen und auch vorgeben... Sind es einfach Assoziationen,
die Dir zu den Naturfacetten am passendsten erschienen?
- Ja.
Wo findest Du Entspannung nach anstrengenden, arbeitsreichen Tagen?
Sind es die vertonten Naturfacetten, die Dir Erholung bieten können?
- Das kommt darauf an. Manchmal im Stillen mit wunderbarer Musik,
manchmal mit Freunden bei "Wein, Weib, Bier und Gesang".
Stellt Musik für Dich eher Eskapismus oder Auseinandersetzung
mit Realität dar? - Im allgemeinen kann man ja auch in Sagen, Mythen
und Märchen Dinge von Aktualität (verschleiert) behandeln.
- Definitv ersteres. Die häßlichen Geierflügel der
Realität schmälern große Kunst. Mir geht es auch bei Märchen
und Sagen nicht um die Aussage, die ja oftmals ziemlich konträr zu
meiner Lebensphilosphie ist, sondern lediglich um Stimmung die sie vermitteln.
Kann Musik für Dich jemals zur bloßen, stupiden Arbeit
werden, die Dich anstrengt und nervt? - Du hattest ja schon einmal angedeutet,
dass Du planst, Deine Studiotätigkeiten ein wenig zurückzuschrauben...
- Ich muß gestehen, es gab schon Momente im Studio, da hat mich
die Musik genervt und angestrengt - doch das ist nichts dem man mit wirklich
bedeutsamer Musik (oder Kunst im Allgemeinem) entgegenwirken könnte....
Was bestimmt die Zukunft von Markus Stock? Welche Pfade werden die
weiteren
- Nun ich werde auch weiterhin mit Thomas Helm zusammenarbeiten, jedoch
nicht unter dem Namen Empyrium. Wir werden allerdings noch dieses Jahr
ein neues gemeinsames Projekt starten in dem wir unsere Vorliebe für
großen, epischen 70jahre Prog Rock ausleben werden. Zudem werde
ich weiterhin mit Markus B. an Autumnblaze arbeiten, da wir beide uns
musikalisch und menschlich wunderbar verstehen. S.o.t.s. liegt nun ersteinmal
auf Eis, da wird so schnell wohl nichts kommen - erst dann wenn mich die
Muse mal wieder packt etwas zu machen, daß Abseits des Weges liegt.
Ja und The Vision Bleak hat für mich momentan Priorität. Wir
arbeiten an einem Album, daß wir hoffentlich bis Ende des Jahres
fertig haben. Auch hier hat sich die Marschroute etwas geändert im
Gegensatz zu unseren Demos. Bei The Vision Bleak kam es uns ja ursprünglich
darauf an, schnörkelosen, einfachen Rock zu machen - mit Texten aus
dem echten Leben sozusagen. Denkste! Nun stehen wir da, wo wir hätten
von Anfang an stehen sollen. Bei großem, mystischen Horror Rock'n'Roll,
der stimmungsvoll und dick groovend zugleich ist und unsere Vorliebe für
den guten, alten Horrorfilm ausdrückt. Eine europäische Variante
von Rob Zombie in etwa - mit viel Natur, Nebel und rollenden Köpfen,
Werwölfen, Untoten und Dämonen ...tja, man kann sich seinen
Wurzeln halt nicht entziehen, versucht hab ich's wenigstens einmal...
|